Was kostet Sie ein Auftrag über Handwerkerportale wirklich?
Eine ehrliche Rechnung für Betriebsinhaber, die für Anfragen bezahlen – und was Sie stattdessen aufbauen können.

Wenn wir mit Handwerksbetrieben über ihre Aufträge sprechen, kommt das Thema Portale fast immer in den ersten zehn Minuten. Meistens mit einem Satz wie: „Ohne läuft es nicht, aber eigentlich ärgert mich jede Rechnung.“
Das ist verständlich. Portale liefern Anfragen, auch wenn es sonst ruhig ist. Nur weiß kaum jemand, was ihn ein Auftrag am Ende tatsächlich kostet. Die Monatsrechnung sieht man. Die Anfragen, für die man bezahlt und die nie etwas geworden sind, rechnet selten jemand zusammen.
Genau das machen wir in diesem Artikel. Danach geht es darum, wie Sie Schritt für Schritt weniger abhängig werden.
Warum sich die Frage gerade jetzt stellt
Die letzten Jahre waren viele Auftragsbücher voll, ganz ohne Werbung. Das hat sich gedreht. In der KfW-Unternehmensbefragung 2026 meldet fast die Hälfte der befragten Handwerksbetriebe eine sinkende Nachfrage, nur knapp ein Fünftel eine steigende.
Wer bisher fast nur von Empfehlungen gelebt hat, merkt das zuerst. Und der naheliegende Griff geht dann zum Portal. Das kann kurzfristig richtig sein. Es sollte aber eine bewusste Entscheidung sein und keine Gewohnheit.
Rechnen Sie einmal ehrlich nach
Die meisten Portale arbeiten mit einer Mischung aus Monatsabo und Gebühren pro Kontakt oder Anfrage. Die genauen Preise unterscheiden sich je nach Anbieter, Gewerk und Auftragsgröße und ändern sich regelmäßig. Deshalb hier keine Preisliste, sondern eine Formel, in die Sie Ihre eigenen Zahlen einsetzen:
Kosten pro Auftrag = (Abo im Monat + alle Kontaktgebühren im Monat) ÷ gewonnene Aufträge im Monat
Die Zahlen finden Sie in Ihren Portal-Rechnungen. Die gewonnenen Aufträge sind der Teil, den man gern schönrechnet. Zählen Sie nur, was wirklich unterschrieben wurde.
Ein Beispiel mit angenommenen Werten
| Posten | Annahme | Pro Monat |
|---|---|---|
| Abo | 60 € im Monat | 60 € |
| Gekaufte Kontakte | 10 Kontakte à 25 € | 250 € |
| Daraus Aufträge | 2 von 10 | 2 Aufträge |
| Kosten pro Auftrag | 155 € |
Die Werte sind ausgedacht, damit die Rechnung greifbar wird. Bei Ihnen kann das deutlich besser oder schlechter aussehen. Bei einer Badsanierung fallen 155 € kaum ins Gewicht. Beim Austausch eines Wasserhahns ist der Auftrag damit ein Verlustgeschäft.
Was in der Rechnung noch fehlt: Ihre Zeit
Jede Anfrage heißt: zurückrufen, Fragen klären, oft rausfahren und ein Angebot schreiben. Bei acht von zehn Kontakten passiert das im Beispiel umsonst. Wenn das pro Anfrage nur eine Stunde ist, sind das acht Stunden im Monat. Meistens abends, nach der Baustelle.
Was die Rechnung nicht zeigt
Neben dem Geld gibt es drei Punkte, die auf Dauer mehr wehtun:
- Sie stehen direkt neben der Konkurrenz. Der Kunde hat mehrere Angebote nebeneinander. Am Ende entscheidet oft der Preis, nicht die Qualität Ihrer Arbeit.
- Ihre Bewertungen gehören nicht Ihnen. Die guten Bewertungen, die Sie über Jahre sammeln, liegen auf dem Portal. Wenn Sie gehen, bleiben sie dort.
- Die Regeln macht jemand anderes. Preise, Sichtbarkeit, Vertragsbedingungen: Alles kann sich ändern, ohne dass Sie gefragt werden.
Wo Ihre Kunden heute suchen
Wer einen Handwerker braucht, fragt zuerst im Bekanntenkreis. Danach kommt in den meisten Fällen das Handy: eine Google-Suche wie „Fliesenleger Esslingen“ oder ein Blick auf Google Maps. Und immer mehr Leute stellen die Frage inzwischen direkt einer KI, etwa in der KI-Übersicht ganz oben bei Google oder in ChatGPT.
Für Sie heißt das: Gefunden werden Sie an drei Stellen, die Ihnen selbst gehören.
- Ihr Google-Unternehmensprofil – der Eintrag mit Karte, Telefonnummer und Bewertungen.
- Ihre Bewertungen bei Google.
- Ihre Website, auf der steht, was Sie machen, wo Sie arbeiten und wie man Sie erreicht.
Was Google 2026 belohnt
Google hat in diesem Jahr zwei große Kern-Updates ausgespielt (März und Mai) und vier Spam-Updates, zuletzt im September. Die Richtung ist bei allen gleich, und Google beschreibt sie in den eigenen Richtlinien für hilfreiche Inhalte, zuletzt aktualisiert Anfang Oktober: Inhalte sollen echte Erfahrung zeigen, von jemandem kommen, der sich auskennt, und Menschen helfen, nicht in erster Linie Suchmaschinen.
Für einen Handwerksbetrieb ist das eine gute Nachricht. Sie haben genau das, was austauschbare Agentur-Texte nicht haben: echte Baustellen, echte Fotos, echte Kunden aus Ihrer Gegend. Eine Seite mit zehn eigenen Projektfotos und zwei ehrlichen Sätzen dazu ist mehr wert als drei Absätze Fülltext über „höchste Qualität und Zuverlässigkeit“.
So werden Sie Schritt für Schritt unabhängiger
Sie müssen nicht morgen alle Portale kündigen. Sinnvoller ist es, parallel etwas Eigenes aufzubauen und dann zu schauen, was die Zahlen sagen.
1. Das Google-Unternehmensprofil fertig machen
Das kostet nichts außer einer Stunde Zeit. Prüfen Sie:
- Ist die Hauptkategorie richtig gewählt (z. B. „Fliesenleger“ statt nur „Bauunternehmen“)?
- Sind alle Leistungen eingetragen und das Einzugsgebiet hinterlegt?
- Gibt es aktuelle, eigene Fotos von Projekten, Team und Fahrzeug? Keine Stockfotos.
- Stimmen Telefonnummer, Öffnungszeiten und Adresse überall exakt überein, auch auf der Website?
2. Bewertungen gezielt einsammeln
Der beste Moment ist direkt nach der Abnahme, wenn der Kunde zufrieden ist. Ein kurzer Satz reicht: „Wenn Sie zufrieden waren, würde uns eine Google-Bewertung sehr helfen. Ich schick Ihnen den Link per WhatsApp.“ Den Link finden Sie in Ihrem Unternehmensprofil.
Antworten Sie auf jede Bewertung, auch auf die kritischen. Wer später sucht, liest Ihre Antworten mit. Finger weg von gekauften Bewertungen oder Rabatten gegen Sterne. Das verstößt gegen die Richtlinien von Google und kann Ihr Profil kosten.
3. Eine Website, die Anfragen vorsortiert
Die Website ist der Ort, an dem aus einem Suchenden ein Kunde wird. Damit das funktioniert, braucht sie keine Effekte, sondern ein paar klare Dinge:
- Eine eigene Seite pro Leistung. Wer „Badsanierung“ sucht, soll auf der Seite zur Badsanierung landen, nicht auf der Startseite.
- Ihr Einzugsgebiet, klar benannt. „Wir arbeiten in Esslingen, Nürtingen und im Umkreis von 30 km.“
- Referenzen mit Ort und Umfang. „Bad im Altbau, 8 m², Plochingen, 3 Wochen“ sagt mehr als jedes Leistungsversprechen.
- Ein Anfrageformular, das die richtigen Fragen stellt. Postleitzahl, Art der Arbeit, ungefähre Größe, Fotos vom Ist-Zustand. So sehen Sie vor dem Rückruf, ob es passt.
- Anrufen und WhatsApp mit einem Tipp, denn die meisten kommen vom Handy.
Der vierte Punkt wird oft unterschätzt. Ein gutes Formular filtert Preisjäger und Anfragen von außerhalb Ihres Gebiets heraus, bevor Sie Zeit investieren. Wie das für Ihr Gewerk aussehen kann, zeigen wir auf unserer Seite Webdesign für Handwerker.
4. Fragen, woher jeder Kunde kommt
Eine Frage am Telefon reicht: „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ Schreiben Sie die Antwort drei Monate lang auf, in einer Liste oder einfach im Kalender. Danach wissen Sie, welcher Kanal Ihnen was bringt, und können das Portal-Budget mit gutem Gewissen herunterfahren. Oder eben nicht, wenn es sich für Ihr Gewerk wirklich rechnet.
Der eigentliche Unterschied
Bei einem Portal bezahlen Sie für jeden einzelnen Kontakt, und am Monatsende fangen Sie wieder bei null an. Was Sie in Ihr Google-Profil, Ihre Bewertungen und Ihre Website stecken, bleibt. Jede neue Bewertung und jedes neue Referenzprojekt macht die nächste Anfrage etwas wahrscheinlicher. Eine Anfrage über die eigene Website kostet Sie keine Kontaktgebühr.
Das passiert nicht über Nacht. Das Google-Profil wirkt oft schon nach wenigen Wochen, eine Website braucht in der Regel eher Monate als Wochen, bis sie verlässlich gefunden wird. Deshalb lohnt es sich, jetzt anzufangen und nicht erst, wenn das Auftragsbuch leer ist.
Häufige Fragen
Soll ich meine Portal-Mitgliedschaft sofort kündigen?
Nein. Bauen Sie zuerst Profil, Bewertungen und Website auf und messen Sie drei Monate lang, woher Ihre Aufträge kommen. Dann entscheiden Sie mit echten Zahlen.
Reicht nicht das Google-Profil allein?
Für den Anfang hilft es schon viel. Aber auf dem Profil können Sie kaum zeigen, was Sie von anderen unterscheidet, und Anfragen nicht vorsortieren. Die Website ist der Ort, an dem Kunden sich für Sie entscheiden.
Brauche ich Google Ads?
Nicht unbedingt. Anzeigen bringen schnell Sichtbarkeit, kosten aber laufend Geld, ähnlich wie ein Portal. Sinnvoll sind sie, wenn Sie bestimmte Leistungen gezielt füllen wollen, etwa im Winter. Ohne eine gute Website dahinter verbrennen sie aber nur Budget.
Wenn Sie wissen wollen, wie Ihre Zahlen aussehen: Bringen Sie Ihre letzten drei Portal-Rechnungen zum kostenlosen Erstgespräch mit. Wir rechnen gemeinsam nach und schauen uns an, wo Ihr Betrieb bei Google gerade steht. Danach wissen Sie, ob sich ein Umbau für Sie lohnt. Auch wenn die Antwort „noch nicht“ ist.
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